Tage der Demokratie und Toleranz 2009

Tage der Demokratie und Toleranz 2009
der Region Zwickau vom 15. bis 25. April 2009



Logo Zu den diesjährigen Tagen der Demokratie und Toleranz hat sich das Zwickauer Hilfe Zentrum (ZHZ), das eine Informations- und Dokumentationsstelle zu den beiden deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts aufbaut, mit fünf Veranstaltungen beteiligt.





1. Veranstaltung


PowerPointvortrag
"Zwickauer ´Feinde´ − Menschenrecht im Visier der SED und Stasi oder die Wegbereiter der friedlichen Revolution"


Zeitungsartikel 14. April 2009, 18 Uhr
in der Aula der Außenstelle des Clara-Wieck-Gymnasiums
Platz der Deutschen Einheit
08056 Zwickau
(ursprünglich war die Veranstaltung im Landgericht geplant)

von Dr. Edmund Käbisch, Zwickau in Kooperation mit dem Zwickauer Hilfezentrum (ZHZ) und dem Clara-Wieck-Gymnasium (CWG)

In den 1980er Jahren entwickelte sich Zwickau zu einem Zentrum der Opposition und des Widerstandes. Vorwiegend Jugendliche begannen die existierenden Verhältnisse zu kritisieren und wollten die Gesellschaft zum Besseren verändern. Sie kamen vorerst in kleinen Gruppen unter dem Dach der Kirche zusammen, die dann später durch den Gedanken des Konziliaren Prozesses gebündelt wurden. Eine in dieser Zeit häufig formulierte Forderung bestand darin, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte auch in der DDR gelte und eingehalten werden sollte.

Jedoch die SED-Machthaber haben diese Akteure als Feinde des Sozialismus angesehen, und die Stasi musste sie sofort konspirativ bearbeiten. Sie sollten zersetzt und ausgeschaltet werden, was aber nicht gelang, so dass die Initialzündung der friedlichen Revolution 1989 von diesen "Feinden" ausging. Sie können daher in gewisser Weise als Vorbilder christlichen Handelns und zivilen Ungehorsams gelten. Sie sollen mit dem Vortrag bekannt und gewürdigt werden.



2. Veranstaltung


Petra Kelly Stiftung Die Schülerausstellung des Clara-Wieck-Gymnasiums Zwickau
"Sterilisation und Euthanasie während des Nationalsozialismus"


wurde nach Passau gebracht und im Foyer der Universitätsbibliothek feierlich eröffnet. Vom 16. April bis zum 14. Mai 2009 war sie in Kooperation mit der Petra-Kelly-Stiftung dort zu sehen.

Die Evangelische Funk-Agentur (efa) Redaktion Ostbayern hat diesen Bericht erstellt.

Diese Ausstellung hat auch das Evangelische Bildungswerk mit ermöglicht.



Einige Fotos zur Eröffnung

Dr. Michael Weithmann (Uni Passau) und Christina Gabler (Sängerin) Im Gespräch Andreas Buchner (Vorstand der Petra-Kelly-Stiftung) mit Dr. Edmund Käbisch und Studentenpfarrer Dr. Gereon Vogel-Sedelmayer Im Gespräch Andreas Buchner (Vorstand der Petra-Kelly-Stiftung) mit Dr. Edmund Käbisch und Studentenpfarrer Dr. Gereon Vogel-Sedelmayer Einige Studentinnen während der Vernissage Einige Studentinnen während der Vernissage
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3. Veranstaltung


"Soziales Mobbing"

20. April 2009, 19 Uhr
Westsächsische Hochschule Zwickau
Scheffelstr. 39
Mensagebäude, Hörsaal II
Zwei Vorträge

von Prof. Dr. Ute Rosenbaum, Zwickau und Dipl. Pädagogin Ingrid Ullmann, Wiesbaden gemeinsame Veranstaltung der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung (SLpB), der Westsächsischen Hochschule Zwickau und des Zwickauer-Hilfe-Zentrums (ZHZ)

Mobbing (engl. anpöbeln, angreifen, bedrängen, über jemand herfallen) ist ein modernes Phänomen, das mit "Psychoterror" am Arbeitsplatz, im Altersheim, an Schulen, in der Kirche, in Institutionen, in Vereinen, in Hausgemeinschaften oder in Gefängnissen umschrieben werden kann. Durch Mobbing werden Menschen verletzt, schikaniert und gequält. Das Ziel ist, Betroffene zu stigmatisieren und schlecht oder unmöglich zu machen. Es werden falsche Tatsachen verbreitet, um sie in eine soziale Isolation zu drängen. Redliche und unschuldige Menschen werden zu Opfern. Es geschehen Menschenrechtsverletzungen. Gezieltes Mobbing führt zu psychischen und organischen Schädigungen und kann sogar im Selbstmord enden.

An diesem Abend werden zwei Sachvorträge gehalten, die die Zuhörer über die Ursachen und Folgen des Mobbing informieren. Dabei werden auch mögliche Strategien der Prävention und Intervention aufgezeigt. Danach besteht die Möglichkeit zu Fragestellungen und zur Diskussion. Es wird bestimmt deutlich werden, dass sich auch konkretes Mobbing in Zwickau abspielt. Die Besucher sollen mit Anregungen und Hilfsangeboten diese Veranstaltung verlassen können.



4. und 5. Veranstaltung


PowerPointvortrag
"Mein Pfarreralltag in der DDR"


Zeitzeugenberichte an zwei Gymnasien:
22. April 2009, 12 Uhr
Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium
Dr. Köhler-Platz 2
08289 Schneeberg

und

23. April 2009, 10.30 Uhr
Gymnasium "Am Sandberg"
Albert-Schweitzer-Ring 77
08112 Wilkau-Haßlau

von Dr. Edmund Käbisch, Zwickau in Kooperation mit dem Zwickauer-Hilfe-Zentrum (ZHZ)

Dr. Käbisch war seit 1981 Pfarrer am Zwickauer Dom. Er öffnete die Kirchentür für Menschen, die nach dem DDR-Jargon "Problembürger" waren. Keiner wollte sie in der Gesellschaft haben. Es waren Menschen, die zwar mit den gesellschaftlichen Verhältnissen unzufrieden waren, die aber die bestehenden Missstände ändern wollten. Gewöhnlich waren es Jugendliche, die sich mit den Fragen der Umwelt, des Friedens und der Gerechtigkeit auseinander setzten. Sie durften sich in der Zwickauer Domgemeinde versammeln und es entstanden Basisgruppen. Diese erhielten damit ein juristisches Dach. Diese Basisgruppen wurden im Jahr 1988 in den Konziliaren Prozess zusammengeführt und gebündelt. Auch die Menschen, die den Antrag auf Übersiedlung nach der Bundesrepublik gestellt hatten, konnten sich zu den sonntäglichen Abendgottesdiensten im Dom treffen.

Diese Arbeit und der Umgang mit solchen Menschen waren für Dr. Käbisch die Chance zu einer "situativ-missionarischen Verkündigung". Damit hat er sich nicht mehr an die staatlichen Vorgaben gehalten, dass sich die Kirche nur um "religiös-kultische Angelegenheiten" zu kümmern habe. Er war sowohl einem staatlichen als auch innerkirchlichen Druck ausgesetzt. In diesem Spannungsfeld entwickelte sich Ende der 1980er Jahre Zwickau zu einem Zentrum der Opposition und des Widerstandes in Westsachsen.

Jedoch die Stasi musste sofort im Auftrag der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) diese Bürger, Gruppen und Dr. Käbisch bekämpfen. Sie galten als "Feinde". Die Stasi hat Operative Vorgänge (OV) eingeleitet, um diese Menschen planmäßig und systematisch geheimdienstlich (konspirativ) bearbeiten zu können. Sie sollten kontrolliert und ausgeschaltet (liquidiert) werden. Alle geheimdienstlichen Mittel und Methoden kamen zur Anwendung. So wurden auch Inoffizielle Mitarbeiter (IM) eingeschleust, die sich Vertrauen erschlichen und systematisch Verrat übten. Die Stasibearbeitung von Dr. Käbisch lief unter dem OV "Kontrahent". Auch seine Intimsphäre wurde von der Stasi instrumentalisiert. Bisher konnten 65 IM, die über ihn berichtet hatten, von der BStU (Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen) mit Klarnamen identifiziert werden.

Dr. Käbisch bemühte sich auch, diese Bürger in die evangelische Kirche zu integrieren und aufzunehmen. Jedoch eine innerkirchliche Gegenströmung breitete sich aus, weil die Arbeit mit solchen Menschen das angeblich "gute Staat-Kirchen-Verhältnis" störe. Diesen Konflikt benutzte die Stasi und legte auf den Kirchenvorstand des Domes den OV "Kammer" an. Diese Stasibearbeitung hatte das Ziel, die Arbeit von Dr. Käbisch mit den Problembürgern zu unterbinden, ihn von Zwickau fortzubringen und ihn zu zersetzen. Es wurden die eigenen kirchlichen Leute mit psychologischen und pädagogischen Methoden beeinflusst, so dass sich dann einige wie IM verhielten und auch im Sinne des Staates handelten. Es wurde extra das "Zwickauer Modell" entwickelt, damit SED und Stasi besser gegen die Basisgruppen vorgehen konnte. Vor dem Beginn der friedlichen Revolution hat dann der Superintendent dem Dr. Käbisch die Haltung des Kirchenvorstandes mitteilen müssen, dass er als Unruhestifter und Störenfried Zwickau zu verlassen habe.

Von den Differenzierungs- und Zersetzungsmaßnahmen der Stasi, die auf Langzeitwirkung ausgerichtet waren und sich dadurch bis heute noch im Rechtsstaat auswirken, wird Dr. Käbisch als Zeitzeuge berichten. Im Jahr 1992 wurde ihm ein Forschungsantrag der BStU genehmigt und seitdem erforscht er das DDR Staat-Kirche-Verhältnis.